Einweihung der ersten Stufe des SwissFEL am Paul Scherrer Institut in Villigen

Für die Zukunft des Werk- und Denkplatzes Schweiz

Martin Gysi am 24.08.2010

PSI SwissFEL erster Teil

Mesot

Schneider-Ammann

Keller

Rossbach

Hürzeler

Burkhalter

Die Anlage im Bild links lockte heute Vormittag gegen 200 hochkarätige Vertreter der Forschung, Politik und Wirtschaft ins Paul Scherrer Institut in Villigen und liess sie lange über den Werk- und Denkplatz Schweiz sinnieren und reden. Es handelt sich bei der Anlage um Teil 1 des SwissFEL, des Schweizer Freie-Elektronen-Lasers.

Stimmen aus Forschung, Politik und Wirtschaft

Joël Mesot

/>Joël Mesot, Direktor des PSI, sieht sieht den SwissFEL als "einzigartige nationale Chance" mit besonders grossem Nutzen in drei Bereichen:

  • Informationstechnologie: Heute sind Prozessoren so klein und Kommunikation läuft so schnell, dass neue Messgeräte – z.B. eben der SwissFEL als Röntgenlaser – benötigt werden.
  • Katalytische Reaktionen: Man kennt zwar den Anfang und das Ende von Reaktionen, weiss aber nicht, was genau dazwischen abläuft; auch zu solchen Untersuchungen ist der SwissFEL geeignet.
  • Medizin: Kenntnisse von Eiweissstrukturen (z.B. von Membranproteinen) können mit Hilfe des SwissFEL erlangt werden.

 

Johann N. Schneider-Ammann

/>Johann N. Schneider-Ammann, Präsident von Swissmem und Vizepräsident von Economiesuisse, warf die Frage auf, ob ein Gemeinschaftswerk denn nicht billiger wäre als der Alleingang, um sie gleich selber zu beantworten: "Wir müssen bestqualifizierte Leute in der Schweiz haben und darum auch Forschungsstätten hier bauen." Der SwissFEL erhielt die absolute positive Zustimmung Schneider-Ammanns.

 

Ursula Keller

/>Ursula Keller vom Institut für Quantenelektronik der ETH freut sich, dass man mit Experimenten in Phänomene vorstossen kann, die man sich zwar nie vorstellen konnte, nach dem Experimentieren aber erklären kann, z.B. das Krönchen, das entsteht, nachdem ein Tropfen in ein Wasserglas fällt. Sie schwärmt auch für die Schönheit der Physik, strebt gerne nach Weltrekorden (Femtosekunden sind längst nicht schnell genug, die Welt zu entdecken), weiss aber auch um die Industrietauglichkeit ihres Fachgebiets: Wer beispielsweise schnelle Elektronik baut oder optische Kommunikation, der profitiert vom SwissFEL.

 

Jörg Rossbach

/>Ein mit dem PSI vergleichbares Forschungsinstitut steht in Hamburg und trägt den Namen DESY. Als dessen Vertreter figurierte Rossbach, der ausserdem als einer der Wegbereiter des SwissFEL gewürdigt wurde. Er erklärte, dass weltweit nur rund 30% der von Forschern gewünschten Strahlzeit (Forschungszeit an einem Beschleuniger) zur Verfügung stünde und dass SwissFEL demzufolge eine gefragte Einrichtung sein werde.

 

Alex Hürzeler

/>Als Regierungsvertreter des PSI-Standortkantons überbrachte Hürzeler eine frohe Botschaft: Der Aargau beteiligt sich mit 30 Mio. Franken am SwissFEL. Man könne schliesslich nicht nur still und heimlich daneben stehen und sich freuen, sagte er. Der finanzielle Beitrag ist aber offensichtlich wohl überlegt worden und klingt nach einer guten Investition, schliesslich fliesst ein Grossteil der insgesamt benötigten 250 Mio. Franken in Form von Löhnen und/oder Steuern wieder in den Aargau zurück. Eine Hebelwirkung strebe die Regierung mit diesem Beitrag an, so Hürzeler, und abgesehen davon sei man äusserst stolz auf die "Perle PSI".

 

Didier Burkhalter

/>Bundesrat Burkhalter durfte den Strahl "anstossen" und damit den ersten Teil des SwissFEL einweihen. Zuvor hatte aber auch er noch ein paar Worte an die Gästeschar gerichtet. Er berichtete zum Beispiel, dass er, seit er Bundesrat sei und regelmässig mit Forschern in Kontakt stehe, oftmals richtig Lust bekomme, tiefer in die Wissenschaft einzutauchen. Er sähe jeweils das Leuchten in den Augen der Wissenschaftler und könne nachvollziehen, dass jemand herausfinden wolle, woher die Welt kommt, um zu verstehen, wohin sie geht. (Seine ganze Rede kann hier nachgelesen werden.)

 

Wenn es nun weiter geht, wie man sich das am PSI vorstellt, wird dieser erste Teil der Anlage am aktuellen provisorischen Standort irgendwann abgebaut und in einer neuen, noch zu erstellenden Halle nochmals aufgebaut werden müssen. Es gibt jedenfalls noch viel zu tun, bis 2016 die ersten Versuche am SwissFEL durchgeführt werden können.

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