Walter fertigt kundenspezifische PKD-Werkzeuge in Serie
Expressroute zum edlen Schneidstoff

Martin Gysi am 17. 6. 2009

walterPKD-Werkzeuge waren bisher reine Nischenprodukte. Doch seit einiger Zeit steigt deren Anteil kontinuierlich an. Der Grund: Viele Materialien, vor allem im Automobil- und Flugzeugbau lassen sich mit den Polykristallinen Diamantschneiden wirtschaftlicher, d.h. mit höheren Standzeiten und hohen Schnittgeschwindigkeiten bearbeiten. Bei Walter in Tübingen ist PKD daher aus der Sonder- in die Express-Fertigung übergegangen. Der Name ist Programm: Walter PKDExpress.
Für den Anwender bedeutet das: Er erhält künftig die Werkzeuge in kurzen Lieferzeiten. Nach wie vor sind die meisten PKD-Werkzeuge Sonderanfertigungen, die individuell auf die jeweilige Applikation zugeschnitten sind. Doch bei Walter geht man nun den Weg, diese Sonderwerkzeuge so weit wie möglich in eine Produktlinie zu integrieren. Das heißt, egal ob Bohrer oder Fräser, der Grundkörper ist ein Halbfabrikat, das individuell angepasst wird. Die Folge: Die Lieferzeiten von der Klärung der technischen Einzelheiten an bis zur Maschine betragen nunmehr nur noch höchstens sechs Wochen. Bisher waren in diesem Bereich eher Lieferzeiten zwischen acht und zwölf Wochen die Regel. „Das lag vor allem daran“, so Ünal Bostancioglu, Produktkoordinator PKD-/CBN- und Reib-Werkzeuge bei der Walter AG, „dass die Tools als Sonderwerkzeuge, mithin als Einzelstücke geplant wurden.“ Dies bedeutete schon im Vorfeld einen wesentlich größeren Entwicklungs- und Organisationsaufwand. Doch auch bei Nachbestellungen musste mit längeren Lieferzeiten als bei herkömmlichen Werkzeugen gerechnet werden, denn die Herstellung war nicht in den „normalen“ Produktionsablauf eingegliedert. Mit Einführung des Expressgedankens ist dies nun anders geworden. Für die Anwender ein doppelter Vorteil: Lassen sich doch die Werkzeuge nun auch wirtschaftlicher produzieren als zuvor, was sich wiederum auch auf den Einkaufspreis niederschlägt.
„Es wird künftig ganz einfach sein, die benötigten Werkzeuge zu bekommen“, so Ünal Bostancioglu. „Der Anwender nennt uns die Zerspanungsaufgabe, und wir liefern eine seinen Anforderungen entsprechende Lösung.“ Innerhalb des vom Grundaufbau des Werkzeugs vorgegebenen Rahmens wird dieses auf den jeweiligen Bearbeitungsfall exakt „zugeschnitten“. So werden Schnittparameter, Zähnezahl, Durchmesser und Länge sowie Schnittstelle individuell an die Gegebenheiten vor Ort angepasst.
Das Bohrprogramm innerhalb des Walter PKD-Expresses umfasst neben
innengekühlten Voll- und Stufenbohrern aus Vollhartmetall in den Durchmessern 6-32 mm auch Werkzeuge zum Aufbohren (4-140 mm) und Senken (6-180 mm). Bei den beiden letzteren sind die Grundkörper aus Stahl. Die Ausführungen reichen von einfachen bis hin zu mehrstufigen komplexen Geometrien. Verschiedene PKD-Tipps und Formen erlauben es, die Bohrer individuell einzusetzen. Bei den Planfräsern stehen Werkzeuge aus Stahl im Durchmesser von 50-250 mm zur Verfügung.
Eckfräser gibt es in zwei Variationen VHM (6-32 mm Durchmesser) und Stahl (6-250 mm). Die Nutfräser haben einen Werkzeugkörper aus Stahl und einen Durchmesserbereich von 6-180 mm. Die Zähneanzahl ist bei den genannten Varianten vom Durchmesser abhängig und reicht von zwei bis zwanzig.
Zwei verschiedene PKD-Sorten WCD 10 und WCD 20 sorgen dafür, dass die Werkzeuge individuell an die jeweiligen Materialien angepasst werden können. So lassen sich damit Materialien wie Walz- oder Knetaluminium, Aluminiumguss egal ob unter- oder übereutektisch, Magnesiumguss, Bunt- und Leichtmetalle sowie faserverstärkte Kunststoffe effizient bearbeiten.
Auch ein rasches Reconditioning gehört zum Konzept des Walter PKD-Expresses. „Gerade auch die Wiederaufbereitung des Werkzeugs ist ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor im PKD-Bereich, denn beispielsweise bei einer dreifachen Wiederaufbereitung können die Kosten um 50 Prozent gesenkt werden.“


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