Industriearbeitskreis Automatisierung zu Besuch bei Schunk:
Greiftechnik macht Massivumformung effizient und sicher
Martin Gysi am 11. 6. 2009

Bei der Massivumformung ist die prozesssichere Automatisierung von Anlagen ein entscheidender Faktor. Dabei spielt die Greiftechnik eine besondere Rolle, denn direkt am Bauteil sind die widrigen Umgebungsbedingungen, wie Hitze, Schmutz oder Schläge am stärksten ausgeprägt. Mit durchdachten Lösungen kann auch in diesem rauen Umfeld die Prozesssicherheit und Effektivität der Anlagen deutlich erhöhen lassen.Ende Mai informierte sich der Industriearbeitskreis Automatisierung des Industrieverbands Massivumformung beim Spann- und Greiftechnikspezialisten Schunk in Lauffen am Neckar über aktuelle Entwicklungen und Forschungsprojekte für die Branche. Die Teilnehmer sind sich einig, dass die Massivumformung auch in Zukunft ihre weltweit führende Rolle bestätigen kann. Als Schlüsselkompetenz wird hierbei insbesondere die prozesssichere Automatisierung von Anlagen gesehen.
Die Umgebungsbedingungen in der Massivumformung zählen zu den widrigsten in der gesamten Automatisierungstechnik. Vor allem die Greiftechnik wird dabei extrem belastet. Die Komponenten sind un-mittelbar einer hohen Wärmeübertragung und Wärmestrahlung sowie Emissionen aus Schlacke und Kohlenstaub ausgesetzt. Das gesamte Automatisierungssystem muss der hohen Dynamik und den stoßartigen Belastungen standhalten. Dabei betragen die extremen Beschleunigungen zum Teil das 1500-fache der Erdbeschleunigung.
Die Automatisierungstechnik leistet in der Branche einen wesentlichen Beitrag zum Gesundheitsschutz des Werkstattpersonals und zur Qualitätsförderung. Sie unterstützt den genau definierten Umformprozess un-ter gleichbleibenden Bedingungen, sorgt für eine hohe Standzeit des Gesenks und beugt Fehlern, wie etwa dem Kleben, vor. Außerdem reduziert sie die Belastungen für Roboter und Peripherie und sichert damit eine hohe Verfügbarkeit und lange Lebensdauer der Anlagen.
1300° heiße Teile sicher handhaben
Seit Jahren fertigt Schunk besonders warmfeste und vor Schmutzeintrag geschützte Standardkomponenten. „Diese erhöhen die Effektivität der Anlagen. Zudem schonen sie die umliegenden Komponenten, wie den Roboter, oder erschließen neue Einsatzfelder, wie das vollautomatisierte Freiformschmieden“, erläutert Dr. Matthias Haag, Leiter Vorentwicklung bei Schunk. Im Rahmen einer Kooperation werden aktuell beispielsweise Endeffektoren entwickelt, die 1300° C heiße Schmiedeteile direkt im Umformprozess zuverlässig handhaben können.
Im Rahmen des Arbeitskreises stellte Thomas Ledermann vom Fraunhofer IPA in Stuttgart neue Roboterlösungen für klein- und mittelständische Fertigungen aus dem europäischen Forschungsprojekt SMErobot vor. Stefan Kerpe, Leiter SCHUNK Engineering, präsentierte entwicklungsbegleitende Simulationen, die die Lösungsfindung für hochdynamische Systeme und Abläufe im Schmiedebetrieb wesentlich erleichtern.
Die hochkarätig besetzte Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen aus der Robotik und Handhabungstechnik wirtschaftliche Lösungen für dieses besonders raue Umfeld entstehen. Insgesamt sieben Referenten aus namhaften Unternehmen, Forschungsinstituten und Universitäten stellten ihre aktuellen Projekte vor und gaben detaillierte Einblicke in ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit.
Tags: Automation, Greiftechnik, Spanntechnik



